Im Wortlaut:
Stellungnahme der Liste Weissacher
Bürger im Gemeinderat am 29.1.04
(Ansiedlung eines Edeka-Marktes)
Gut, dass wir heute zum ersten
Mal das Stadium der Geheimverhandlungen verlassen und uns mit einem
wichtigen Thema öffentlich auseinandersetzen.
Die Argumente der Befürworter
einer Ansiedlung eines Vollsortimenters zwischen Rombold und Seemühle
klingen süß., ein Ende des Tauziehens scheint in Sicht. Zwischen den
Ortsteilen gelegen könnte der Markt neuer Kitt für das Zusammenwachsen der
Gemeinde sein.. Schön, Edeka trotzt der Backnanger Konkurrenz, die Gemeinde
macht einen schönen Grundstücksdeal, sogar die Region scheint einverstanden.
Aber der erste Eindruck ist
trügerisch. Die Ansiedlung eines Vollsortimenters ist mehr als ein
Grundstücksgeschäft, bei der die Gemeinde als Makler auftritt. Was als
alternativlos gepriesen wird, ist radikal marktorientiert, bedient einseitig
die Vorstellungen eines großen Konzerns und ist deshalb nicht alternativ-
sondern einfallslos.
Alle Argumente der
Gemeindeverwaltung orientieren sich am Geld oder am angeblichen Mangel
desselben. Wichtige ökologische, soziale und städtebauliche Argumente werden
bislang weniger hoch geschätzt als eine schnelle Verwirklichung eines
fragwürdigen Konzeptes.
Die Fläche sollte nicht bebaut
werden:
Das Gebiet ist Teil eines
Frischluftentstehungsgebietes und sollte als Freifläche erhalten bleiben,
glaubt man der Umweltbilanz auf S. 182.
„Zur langfristigen Sicherung der
zwischen- und innerörtlichen Umweltfunktionen (gesunde Luft, gute
Durchlüftung, Biotopschutz, Naturschutz, Erholungsräume, Wasserhaushalt) und
zur Wahrung der Identität der historisch gewachsenen Ortsteile ergeben sich
folgende Freiräume, die an die übergeordneten Grünzüge und Grünzäsuren
anknüpfen: - der landschaftliche Freiraum zwischen Unterweissach und
Cottenweiler/ Aichholzhof sowie...“
Gemeindeentwicklungsplan,
vorgestellt am 12.2.98 durch Herrn Heitzmann und vom Gemeinderat
verabschiedet, Gemeindegesetz also.
Durch die Zunahme der Fahrten
muss mit erhöhten Emissionen gerechnet werden.
Weissach ginge durch diese
Entscheidung immer weiter in die Breite: Über 6000 Quadratmeter Land würden
versiegelt. Dabei muss es uns doch um Kompaktheit und nicht um Zuwachs
gehen. Nur Kompaktheit ist bodenschonend und sozial verträglich. Eine
vernünftige Auslastung von Boden würde doch heißen: Weg von eingeschossigen
Verkaufsflächen, weg von unnötigen ebenerdigen Parkplätzen!
Was in Schwäbisch Hall mit der
Anlage eines Handelshofes in unmittelbarer Nähe des Würth-Museums möglich
ist, muss auch in Weissach im Tal möglich sein!
Die städtebaulichen und sozialen
Auswirkungen dieses Sondergebietes sind ebenfalls nicht untersucht: Durch
den Markt- Standort außerhalb verliert die Ortsmitte an Attraktivität. Wir
befürchten auf Dauer weitere Leerstände und eine mögliche Gewerbebrache HL.
Durch den Kaufkraftabfluss vom Zentrum an den Rand des Ortes werden kleinere
Geschäfte in Ortsmitte wahrscheinlich geschädigt. Die Ortsmitte verliert
durch die Verlagerung eines wichtigen Geschäftes nach außerhalb auch ihren
Charakter als Treffpunkt, darunter leidet die Identifikation mit dem Ort.
Ältere und körperlich weniger Bewegliche werden in ihren
Einkaufsmöglichkeiten stark eingeschränkt.
Landauf, landab haben Märkte auf
der grünen Wiese diese Auswirkungen. Das wissen wir doch! Weissach im Tal
verdient was Maßgeschneidertes, nichts von der Stange! Wir sind doch
eigentlich gut gerüstet. Wir haben sogar hohe finanzielle Rücklagen. Wir
brauchen nur frischen Mut!
Deshalb stellt die Liste
Weissacher Bürger folgenden Antrag:
„Die Gemeinde erachtet die
Ortsmitte als wertvoll. Unser lebendiger Ortskern soll erhalten und
ausgebaut werden. Auch für ältere Personen sollte weiterhin ein Einkaufen zu
Fuß in allen Geschäften möglich sein.
Einer
Entscheidung über die Ansiedlung eines Vollsortimenters müssen weitere
öffentliche Diskussionen vorangehen. Deshalb soll der TOP
„Ortskernsanierung, Welzheimer Straße“ mit dem TOP „Erstellung eines
Lebensmittelmarktes“ in der nächsten Gemeinderatssitzung behandelt werden.“
Der Antrag wurde abgelehnt.
Bernd Hecktor