Gesamtelternbeirat Weissach im Tal  7. März 2004

Umfrage zur Kindergartensituation im Weissacher Tal

 
 

 Sehr geehrte Damen und Herren,

 wir begrüßen die Initiative des Bürgermeisteramtes W.i.T., durch eine Umfrage den Bedarf an Kinderbetreuung im Weissacher Tal zu ermitteln. Schade finden wir nur, dass der Zeitraum von 10 Tagen über die Faschingsferien etwas zu kurz ist. Wir hoffen, dass später eingegangene Fragebögen und Meinungsäußerungen noch berücksichtigt werden.

 Es ist schwierig, die Qualität der pädagogischen Arbeit in den einzelnen Kindergärten zu beurteilen, ohne die personellen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Fest steht, dass die Anforderungen an die Erzieherinnen immer umfangreicher und vielfältiger werden. Durch Erhebungen wie Pisa und Iglu wird deutlich, dass gerade im vorschulischen Bereich grundlegende Fähigkeiten erworben werden müssen, um späteren Anforderungen in der Schule gerecht zu werden. Fest steht auch, dass es immer mehr Kinder mit Entwicklungsverzögerungen/störungen gibt. Jedes 5. Kind ist ein Scheidungskind. Eine
„ Heile Welt“ gibt es auch bei uns im ländlichen Raum schon lange nicht mehr. Die personelle Besetzung in den Kindergärten ist seit vielen Jahren auf einem unverändert niedrigen Niveau. Zwei fest angestellte Fachkräfte pro Kindergartengruppe sind sinnvoll, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung in der Kindergartenarbeit und dem damit verbundenen Bildungsauftrag zu gewährleisten.

 Es ist erfreulich, dass in unserer Gemeinde über weitere Angebote in der Kinderbetreuung nachgedacht und beraten wird. Auch wir wollen unseren Anteil an Ideen und Vorschlägen mit einbringen, um ein möglichst optimales Betreuungsangebot für unsere Kinder zu erreichen. Begrüßenswert wäre die integrative Aufnahme 2-3 jähriger Kinder in die bestehenden Kindergartengruppen. Eine gesonderte Einrichtung für 2-3 Jährige, die ab dem 3. Lebensjahr sowieso den Kindergarten in ihrem Einzugsgebiet besuchen, halten wir nicht für sinnvoll. Da die Kinderzahlen in den nächsten Jahren sinken werden, scheint es vernünftiger zu sein, die freiwerdenden Kapazitäten auf diese Weise zu nutzen. Der Betrag von 150.- EUR für eine Betreuung von 9 Uhr bis 12 Uhr erscheint uns zu hoch, vor allem für Alleinerziehende. Eine soziale Staffelung der Kindergarten- oder Tagesstättengebühr ist notwendig, da Frauen meist nicht soviel verdienen. Eine Gebühr von 250.- EUR für eine Ganztagesbetreuung, die eine Mittagspause von einer Stunde vorsieht, erscheint uns nicht angebracht. Wir denken, dass es nur ganz wenige Frauen gibt, die über einen Arbeitsplatz mit Arbeitszeiten von 9.15 Uhr bis 11.45 Uhr und von 13.15 Uhr bis 15.45 Uhr verfügen. Anfahrtszeiten sind hier noch unberücksichtigt.

 Um eine wirklich sinnvolle Ganztagesbetreuung zu erreichen muss eine Kindertagesstätte für Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren eingerichtet werden, denn das Problem mit der Nachmittagsbetreuung löst sich nicht mit dem Schuleintritt eines Kindes. Die Ferienregelung in unserer Gemeinde für Kindergartenkinder, mit nur 15 Schließtagen im Jahr und der Möglichkeit die Kinder während der Sommerferien in einem anderen Kindergarten der Gemeinde unter zu bringen, ist vorbildlich.

 Der Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde W.i.T., allen voran Hr. Pfr. Stroh, ist es zu verdanken, dass es mittlerweile ein Betreuungsangebot für Schulkinder mit berufstätigen Müttern, in den Sommerferien gibt. Die Erfahrung zeigt hier, der Bedarf wächst mit dem Angebot. Viele Frauen sehen bisher keine Möglichkeit wieder arbeiten zu gehen. Sie können daher keinen verbindlichen Bedarf anmelden. Erst wenn die Möglichkeit einer Kinderbetreuung vorhanden ist, besteht die Möglichkeit sich eine Arbeit zu suchen, oder ihrem Arbeitgeber den Wiedereintritt anzubieten.

 Hier eine bedarfsgerechte Lösung zu finden ist sicherlich eine schwierige Aufgabe, aber eine konzeptionelle Herausforderung, die lösbar ist und richtungsweisend für andere Kommunen sein kann. Über eine interkommunale Lösung wäre nachzudenken.

 Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir darüber nachdenken, was unser wichtigstes Kapital für die Zukunft ist, nämlich unsere immer weniger werdenden Kinder.

 

Mit freundlichen Grüßen

 Für den Gesamtelternbeirat des Weissacher Tales

 Heidi Schorer

 Verteiler:

Gemeindeverwaltung Weissach im Tal

Kath. Kirchengemeinde Pfr. Kraus

Evang. Kirchengemeinde Pfr. Stroh

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Stand: 13. April 2004