Sehr geehrte Damen und Herren,
wir begrüßen die Initiative des Bürgermeisteramtes
W.i.T., durch eine Umfrage den Bedarf an Kinderbetreuung im Weissacher
Tal zu ermitteln. Schade finden wir nur, dass der Zeitraum von 10
Tagen über die Faschingsferien etwas zu kurz ist. Wir hoffen, dass später
eingegangene Fragebögen und Meinungsäußerungen noch berücksichtigt
werden.
Es ist schwierig, die Qualität der pädagogischen
Arbeit in den einzelnen Kindergärten zu beurteilen, ohne die
personellen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Fest steht, dass
die Anforderungen an die Erzieherinnen immer umfangreicher und vielfältiger
werden. Durch Erhebungen wie Pisa und Iglu wird deutlich, dass gerade
im vorschulischen Bereich grundlegende Fähigkeiten erworben werden müssen,
um späteren Anforderungen in der Schule gerecht zu werden. Fest steht
auch, dass es immer mehr Kinder mit Entwicklungsverzögerungen/störungen
gibt. Jedes 5. Kind ist ein Scheidungskind. Eine
„ Heile Welt“ gibt es auch bei uns im ländlichen Raum schon lange
nicht mehr. Die personelle Besetzung in den Kindergärten ist seit
vielen Jahren auf einem unverändert niedrigen Niveau. Zwei fest
angestellte Fachkräfte pro Kindergartengruppe sind sinnvoll, um eine
kontinuierliche Weiterentwicklung in der Kindergartenarbeit und dem
damit verbundenen Bildungsauftrag zu gewährleisten.
Es ist erfreulich, dass in unserer Gemeinde
über weitere Angebote in der Kinderbetreuung nachgedacht und beraten
wird. Auch wir wollen unseren Anteil an Ideen und Vorschlägen mit
einbringen, um ein möglichst optimales Betreuungsangebot für unsere
Kinder zu erreichen. Begrüßenswert wäre die integrative Aufnahme
2-3 jähriger Kinder in die bestehenden Kindergartengruppen. Eine
gesonderte Einrichtung für 2-3 Jährige, die ab dem 3. Lebensjahr
sowieso den Kindergarten in ihrem Einzugsgebiet besuchen, halten wir
nicht für sinnvoll. Da die Kinderzahlen in den nächsten Jahren
sinken werden, scheint es vernünftiger zu sein, die freiwerdenden
Kapazitäten auf diese Weise zu nutzen. Der Betrag von 150.- EUR für
eine Betreuung von 9 Uhr bis 12 Uhr erscheint uns zu hoch, vor allem für
Alleinerziehende. Eine soziale Staffelung der Kindergarten- oder
Tagesstättengebühr ist notwendig, da Frauen meist nicht soviel
verdienen. Eine Gebühr von 250.- EUR für eine Ganztagesbetreuung,
die eine Mittagspause von einer Stunde vorsieht, erscheint uns nicht
angebracht. Wir denken, dass es nur ganz wenige Frauen gibt, die über
einen Arbeitsplatz mit Arbeitszeiten von 9.15 Uhr bis 11.45 Uhr und
von 13.15 Uhr bis 15.45 Uhr verfügen. Anfahrtszeiten sind hier noch
unberücksichtigt.
Um eine wirklich sinnvolle
Ganztagesbetreuung zu erreichen muss eine Kindertagesstätte für
Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren eingerichtet werden, denn das
Problem mit der Nachmittagsbetreuung löst sich nicht mit dem
Schuleintritt eines Kindes. Die Ferienregelung in unserer Gemeinde für
Kindergartenkinder, mit nur 15 Schließtagen im Jahr und der Möglichkeit
die Kinder während der Sommerferien in einem anderen Kindergarten der
Gemeinde unter zu bringen, ist vorbildlich.
Der Initiative der Evangelischen
Kirchengemeinde W.i.T., allen voran Hr. Pfr. Stroh, ist es zu
verdanken, dass es mittlerweile ein Betreuungsangebot für Schulkinder
mit berufstätigen Müttern, in den Sommerferien gibt. Die Erfahrung
zeigt hier, der Bedarf wächst mit dem Angebot. Viele Frauen sehen
bisher keine Möglichkeit wieder arbeiten zu gehen. Sie können daher
keinen verbindlichen Bedarf anmelden. Erst wenn die Möglichkeit einer
Kinderbetreuung vorhanden ist, besteht die Möglichkeit sich eine
Arbeit zu suchen, oder ihrem Arbeitgeber den Wiedereintritt
anzubieten.
Hier eine bedarfsgerechte Lösung zu finden
ist sicherlich eine schwierige Aufgabe, aber eine konzeptionelle
Herausforderung, die lösbar ist und richtungsweisend für andere
Kommunen sein kann. Über eine interkommunale Lösung wäre
nachzudenken.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
müssen wir darüber nachdenken, was unser wichtigstes Kapital für
die Zukunft ist, nämlich unsere immer weniger werdenden Kinder.
Mit freundlichen Grüßen
Für den Gesamtelternbeirat des Weissacher
Tales
Heidi Schorer
Verteiler:
Gemeindeverwaltung Weissach im Tal
Kath. Kirchengemeinde Pfr. Kraus
Evang. Kirchengemeinde Pfr. Stroh
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